Parasiten bei Hund und Katze – warum ich meine Meinung geändert habe
Ich habe früher selbst auf natürliche Zeckenabwehr gesetzt.
Bernsteinkette, Kokosöl, alles, was man so kennt.
Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil es sich richtig angefühlt hat. Ich wollte meinem Hund nichts geben, was ich als „unnötig“ empfunden habe.
Und ich weiß, dass viele genau dort stehen.
Dann habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Nicht oberflächlich, sondern wirklich. Studien, Leitlinien, Gespräche mit Tierärzten. Und parallel dazu habe ich Hunde kennengelernt, die erkrankt sind.
Babesiose.
Borreliose.
Ich habe gesehen, wie schnell ein Tier abbauen kann.
Fieber, Schwäche, kaum noch belastbar. Und ich habe Halter erlebt, die daneben stehen und nichts mehr tun können, außer zu hoffen, dass es irgendwie gut ausgeht.
Einer dieser Hunde hat es nicht geschafft.
Das sind Momente, die bleiben.
Und die verändern, wie man auf dieses Thema schaut.
Das Risiko ist kein Ausnahmefall
Parasiten sind keine Randerscheinung und auch kein „Problem von anderen“.
In Europa zeigen Untersuchungen immer wieder, dass ein relevanter Teil der Zecken Krankheitserreger trägt. Bei Borrelien sind es – je nach Region – bis zu 30 % der Zeckenpopulation.
(Quelle: ESCCAP Leitlinien Europa)
Gleichzeitig nimmt die Verbreitung bestimmter Zeckenarten zu, darunter jene, die Babesiose übertragen.
Diese Entwicklung ist in mehreren europäischen Studien dokumentiert und wird seit Jahren beobachtet.
Auch Flöhe sind kein seltenes Problem: Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil der Hunde und Katzen im Laufe ihres Lebens betroffen ist, oft mehrfach.
(Quelle: ESCCAP)
Das bedeutet nicht, dass jedes Tier krank wird.
Aber es bedeutet, dass das Risiko real ist – und regelmäßig unterschätzt wird.
Das eigentliche Problem beginnt nach dem Stich
Viele denken bei Parasiten an den Moment, in dem man sie entdeckt und entfernt.
Das Problem ist:
Die Übertragung von Erregern kann bereits während des Saugakts beginnen.
Borreliose verläuft oft schleichend. Lahmheiten, unspezifische Symptome, Phasen, in denen „etwas nicht stimmt“.
Babesiose dagegen kann innerhalb weniger Tage lebensbedrohlich werden, mit Blutabbau, Fieber und Organschäden.
Man hat keinen Einfluss darauf, wie der Verlauf im eigenen Tier aussehen wird.
Und genau das macht diese Erkrankungen so tückisch.
Was ich lange selbst geglaubt habe
Ich habe vieles von dem geglaubt, was ich heute kritisch sehe.
Dass „natürlich“ automatisch besser ist.
Dass nichts passieren wird, wenn bisher nichts passiert ist.
Dass man Zecken rechtzeitig entdeckt.
Dass das Risiko insgesamt überschaubar ist.
Rückblickend war das kein Wissen.
Es war ein Gefühl.
Und Gefühle sind kein Schutz.
Warum „natürlicher Schutz“ oft keiner ist
Viele alternative Ansätze basieren auf Substanzen wie Kokosöl, ätherischen Ölen oder auf Produkten wie Bernsteinketten.
Das Problem ist nicht, dass sie grundsätzlich „schlecht“ sind.
Das Problem ist, dass keine belastbaren, kontrollierten Studien gibt, die eine zuverlässige Schutzwirkung belegen.
Und das bedeutet im Klartext:
Man verlässt sich auf etwas, dessen Wirkung nicht nachgewiesen ist – in einer Situation, in der das Risiko sehr real ist.
Warum ich heute anders entscheide
Ich empfehle keine Medikamente leichtfertig.
Aber ich empfehle Dinge, deren Wirkung belegt ist.
Tierärztliche Präparate zur Parasitenprophylaxe sind:
- geprüft und zugelassen
- in ihrer Wirksamkeit nachgewiesen
- in Dosierung und Anwendung klar definiert
- laufend überwacht
Nebenwirkungen können auftreten, das ist keine Frage.
Aber laut Daten der European Medicines Agency (EMA) sind schwere Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung selten.
(Quelle: EMA – https://www.ema.europa.eu )
Und wenn ich das gegen das abwäge, was ich bei erkrankten Tieren gesehen habe, dann ist die Entscheidung für mich klar.
Die Entscheidung, die man wirklich trifft
Es geht nicht um „natürlich oder chemisch“.
Es geht darum, ob man sich auf etwas verlässt, das nachweislich schützt – oder auf etwas, das sich gut anfühlt.
Ich habe beides gesehen.
Und ich habe erlebt, was passiert, wenn es nicht reicht.
Mein Fazit
Parasiten sind kein Thema, das man nach Gefühl entscheiden sollte.
Ich verstehe jeden, der seinem Tier etwas Gutes tun möchte.
Ich war selbst an diesem Punkt.
Aber Wissen verändert Entscheidungen.
Und wenn man einmal daneben steht und merkt, dass man nichts mehr tun kann, dann denkt man anders darüber.
👉 Wenn du dir bei diesem Thema unsicher bist, bist du damit nicht alleine.
Gerade bei Parasiten geht es schnell darum, zwischen Gefühl, gut gemeinten Tipps und tatsächlichem Risiko zu unterscheiden. Und genau da entstehen die meisten Fragen.
Ich bin keine Tierärztin und ersetze keine Diagnose oder Behandlung.
Aber ich höre dir zu, helfe dir, Informationen einzuordnen und gemeinsam Klarheit zu schaffen, damit du die nächsten Schritte für dein Tier gut entscheiden kannst.
👉 Schreib mir einfach und wir schauen uns das in einem kostenlosen Erstgespräch gemeinsam an.
Quellen
ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites)
https://www.esccap.org
European Medicines Agency (EMA)
https://www.ema.europa.eu
Studien zur Borrelienprävalenz in Zeckenpopulationen (Europa, je nach Region bis ~30%)






