Die Futterheldin
Der Weg zur Gesundheit führt durch den Magen.

Silvester – und warum wir jedes Jahr wissentlich Tierleid in Kauf nehmen

Silvester ist kein harmloser Abend.
Es ist auch keine Tradition, die man nicht hinterfragen darf.
Und es ist schon gar kein „bisschen Lärm“.


Jedes Jahr liegen die Fakten offen auf dem Tisch. Jedes Jahr werden sie ignoriert.
Während öffentlich darüber gesprochen wird, dass alles teurer wird, dass viele Menschen kaum über die Runden kommen und man sich einschränken muss, werden in derselben Nacht Millionen Euro buchstäblich verbrannt. Für wenige Minuten Knall, Rauch und Chaos. Und die Rechnung dafür zahlen nicht die, die feiern – sondern Tiere.


Tierheime, Tierärzte, Notdienste und Polizeistellen berichten seit Jahren übereinstimmend, dass rund um Silvester die Zahl entlaufener Hunde massiv ansteigt. Hunde, die sich losreißen, weil ein Knall zu nah war. Hunde, die in Panik davonlaufen und überfahren werden. Hunde, die nie wieder gefunden werden.
Auch Katzen verschwinden in dieser Zeit überdurchschnittlich häufig oder werden verletzt aufgefunden. Wildtiere sterben an Stress, inneren Verletzungen oder völliger Desorientierung.


Das ist keine emotionale Zuspitzung, sondern dokumentierte Realität:
Der Deutsche Tierschutzbund weist jedes Jahr darauf hin, dass Silvester zu den tierleidreichsten Nächten des Jahres gehört:
https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/haustiere/silvester

Auch Tierärztekammern und Notdienste berichten regelmäßig von deutlich mehr Notfällen durch Panik, Unfälle und Verletzungen rund um den Jahreswechsel.

Polizeimeldungen und Tierheime bestätigen jährlich einen starken Anstieg an Suchmeldungen entlaufener Hunde in den Tagen um Silvester.
Diese Informationen sind öffentlich. Sie sind bekannt. Und trotzdem ändert sich nichts.


Für Tiere ist Silvester keine Feier.
Es ist ein massiver Kontrollverlust.
Knallgeräusche kommen unvorhersehbar, sind extrem laut und lassen sich nicht einordnen. Das Nervensystem reagiert sofort. Herzfrequenz steigt, Muskulatur spannt sich an, der Körper geht in Fluchtmodus. Das ist kein Verhalten, das man schnell „wegtrainieren“ oder „aushalten lassen“ kann. Das ist eine Stressreaktion, die das Tier nicht steuert.


Eine meiner Hündinnen, Helga, leidet an Silvester massiv. Nicht in einer Art, die man mit Ablenkung oder gutem Zureden lösen könnte. Sie zittert, hechelt, ist völlig angespannt. Man sitzt daneben, ist da, versucht zu schützen – und spürt diese Hilflosigkeit, weil man weiß, dass man die Ursache nicht wegnehmen kann.
Und ja, wir haben Dinge übersehen. Nicht, weil wir es nicht besser wussten, sondern weil man glaubt, man kommt irgendwie durch. Bis man merkt, dass „durchkommen“ für ein Tier bedeutet, stundenlang in Angst zu leben, ohne zu verstehen, warum.
In den Tagen rund um Silvester geht es nicht um langfristige Arbeit. Es geht um Schutz. Um Schadensbegrenzung. Um Verantwortung.
Hunde sollten in dieser Zeit nicht ungesichert draußen sein. Eine Leine gehört nicht nur in die Hand, sondern am Körper befestigt. Katzen sollten – wenn es irgendwie möglich ist – drinnen bleiben. Nicht nur am 31. selbst, sondern auch in den Tagen davor und danach. Viele Tiere reagieren zeitverzögert, weil der Körper länger braucht, um aus dem Stresszustand herauszufinden.


Wenn es machbar ist, sollte der letzte Spaziergang früh stattfinden, bevor der Lärm beginnt. Das ist keine Übervorsicht, sondern Erfahrung aus der Praxis von Tierärzten, Tierschutzorganisationen und Haltern, die diese Nacht schon oft genug erlebt haben.
Zuhause hilft es, Reize so gut wie möglich zu reduzieren. Geschlossene Vorhänge, gedämpftes Licht, ein ruhiger Raum. Geräusche lassen sich nicht verhindern, aber man kann sie überlagern – mit Radio, ruhiger Musik oder gleichmäßigem Hintergrundrauschen. Das nimmt den Knallen nicht ihre Existenz, aber oft ihre Wucht.
Wichtig ist, dem Tier nichts aufzuzwingen. Manche Hunde suchen Nähe, andere ziehen sich zurück. Beides ist normal. Was sie brauchen, ist ein Mensch, der das ernst nimmt und nicht bewertet.


Unterstützende Mittel wie Pheromone oder beruhigende Ergänzungen können helfen, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Sie sind kein Ersatz für Sicherheit, aber sie können unterstützen. Was in dieser Situation nichts bringt, sind spontane Experimente oder der Gedanke, das Tier müsse da jetzt einfach durch.


Was mich an Silvester wütend macht, ist nicht nur die Knallerei selbst. Es ist die Gleichgültigkeit, mit der die bekannten Folgen akzeptiert werden. Man spricht von Tierliebe, von Verantwortung und Bewusstsein – und nimmt gleichzeitig jedes Jahr bewusst in Kauf, dass Tiere leiden, verschwinden oder sterben.
Silvester ist für viele Tiere kein Fest.
Es ist eine Nacht, die sie nicht verstehen und der sie nicht entkommen können.
Wenn du dein Tier in dieser Zeit schützt, bist du nicht übertrieben. Du reagierst angemessen auf eine reale Gefahr. Und wenn du merkst, dass dich diese Tage emotional mitnehmen, dann ist das kein persönliches Versagen. Aber so zu tun, als wäre es harmlos, hilft niemandem.


Wenn du Unterstützung brauchst, um diese Zeit für dein Tier so sicher und erträglich wie möglich zu gestalten, melde dich bei mir. 


Ich wünsche dir und deinem Tier einen möglichst ruhigen Jahreswechsel
und dass ihr gemeinsam sicher ins neue Jahr kommt.


Deutscher Tierschutzbund – Silvester und Tiere:
https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/haustiere/silvester
Deutscher Tierschutzbund – Haustiere & Angst vor Feuerwerk:
https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/haustiere/angst-vor-feuerwerk
Allgemeine Hinweise von Tierärztekammern & Notdiensten (jährlich wiederkehrende Warnungen)

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