Die Futterheldin
Der Weg zur Gesundheit führt durch den Magen.


Übergewicht bei Hund und Katze – warum „ein bisschen zu viel“ bereits ein Problem ist.


Der Februar stand bei mir ganz im Zeichen des Übergewichts. Und wenn ich eines aus Gesprächen mit Haltern immer wieder mitnehme, dann das: Die meisten meinen es gut – und unterschätzen das Thema trotzdem massiv.

Übergewicht ist inzwischen kein Randproblem mehr. Studien aus Europa und Nordamerika zeigen, dass 40–60% aller Hunde und Katzen übergewichtig oder adipös sind. Das heißt: Jedes zweite Tier trägt zu viel Gewicht mit sich herum.
Und genau das ist das Problem.
Wenn etwas normal aussieht, wirkt es nicht mehr krank.


Wann beginnt Übergewicht wirklich?

Übergewicht beginnt nicht erst, wenn ein Tier sichtbar „massig“ wirkt.
Medizinisch sprechen wir von Übergewicht ab etwa 10–15 % über dem Idealgewicht. Ab etwa 20% Mehrgewicht spricht man von Adipositas.

Bei einer durchschnittlichen 4 kg Katze bedeutet das:

  • 400 g zu viel = bereits Übergewicht
  • 800 g zu viel = deutliche Adipositas

400 g klingen harmlos.
Rechnet man das proportional auf einen 70 kg schweren Menschen um, entspricht das etwa 7-8kg Übergewicht.

800 g bei einer Katze entsprechen umgerechnet etwa 14–16 kg beim Menschen.
Plötzlich klingt es nicht mehr niedlich.


Warum Fett kein „Speicher“, sondern ein aktives Organ ist

Fettgewebe ist hormonell aktiv. Es produziert sogenannte Adipokine und Entzündungsmediatoren. Das bedeutet:
Übergewicht ist ein chronischer, niedriggradiger Entzündungszustand.

Die Folgen sind gut dokumentiert:

  • Erhöhtes Risiko für Arthrose und Gelenkdegeneration
  • Deutlich erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus bei Katzen
  • Erhöhte Belastung von Herz und Kreislauf
  • Atemprobleme
  • Fettleber (hepatische Lipidose bei Katzen)
  • Verkürzte Lebenserwartung

Die Purina Life Span Study zeigte, dass schlanke Hunde im Durchschnitt bis zu 1,8 Jahre länger leben als ihre übergewichtigen Wurfgeschwister.

Fast zwei Jahre Lebenszeit.
Allein durch Gewichtskontrolle.


Der gefährliche Gewöhnungseffekt

Ich höre oft:
„Er bekommt doch gar nicht so viel.“
„Sie frisst ja nur ihr Futter.“
Das Problem liegt selten in einer großen Fehlentscheidung.

Es liegt in kleinen, täglichen Abweichungen.

  • Leckerlis werden nicht mitgerechnet.
  • Trainingssnacks zählen nicht als Mahlzeit.
  • Herstellerangaben werden ungeprüft übernommen.
  • Der reduzierte Energiebedarf nach Kastration (oft 20–30 % weniger) wird nicht angepasst.

Ein Hund, der täglich nur 50–80 kcal zu viel bekommt, nimmt langfristig zu. Nicht sofort. Aber kontinuierlich.
Übergewicht entsteht langsam – und bleibt deshalb lange unbemerkt.


Warum Diätmanagement kein „einfach weniger füttern“ ist

Viele Halter reduzieren spontan die Futtermenge.
Das Ergebnis:

  • Muskelmasse geht verloren 
  • das Tier ist dauerhaft hungrig 
  • der Stoffwechsel fährt herunter
  • das Gewicht stagniert
  • Frust entsteht

Ein professionelles Diätmanagement basiert auf:

  • exakter Berechnung des Energiebedarfs (Ruheenergiebedarf & Erhaltungsbedarf)
  • Erhalt der fettfreien Körpermasse
  • angepasster Proteinqualität
  • gezielter Sättigungsstrategie
  • realistischer Gewichtsabnahme von 1–2 % pro Woche
  • regelmäßiger Verlaufskontrolle

Gerade Katzen reagieren empfindlich auf zu schnelle Gewichtsreduktion. Eine abrupte Diät kann eine hepatische Lipidose auslösen – eine potenziell lebensbedrohliche Situation.
Hier ist Fachwissen nicht optional.


Der unbequeme Gedanke

Wenn ein Tier übergewichtig ist, ist das in den meisten Fällen kein genetisches Schicksal.
Es ist ein langfristiges Energieungleichgewicht.
Und Energieungleichgewicht entsteht durch Management.
Das ist kein Vorwurf.
Aber es ist Verantwortung.

Warum viele Diäten scheitern
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder:

  • Light-Futter ohne Bedarfsanalyse
  • drastische Reduktion ohne Muskelkontrolle
  • ständiger Futterwechsel
  • fehlende Gewichtskontrolle
  • falsche Einschätzung des Idealgewichts


Oft fehlt nicht der Wille.
Es fehlt die objektive Berechnung und Begleitung.
Und genau hier entscheidet sich, ob ein Tier nachhaltig abnimmt – oder im Jo-Jo-Effekt landet.


Mein Fazit nach diesem Monat

Übergewicht ist kein kosmetisches Thema.
Es ist eines der größten, aber gleichzeitig am besten beeinflussbaren Gesundheitsrisiken bei Hund und Katze.
Ein halbes Kilo zu viel bei der Katze entspricht vielen Kilos beim Menschen.
Ein paar Kilo zu viel beim Hund verkürzen messbar Lebenszeit.
Wenn du dir nicht absolut sicher bist, dass dein Tier im Idealbereich liegt, lohnt sich eine ehrliche Überprüfung.


Wenn du nach diesem Artikel merkst, dass du dir bei deinem Tier nicht ganz sicher bist, dann warte nicht, bis erste Folgeerkrankungen sichtbar werden.
Ich berechne den tatsächlichen Energiebedarf deines Hundes oder deiner Katze auf Basis von Gewicht, Alter, Aktivität und Gesundheitsstatus.

Ich analysiere die aktuelle Fütterung – inklusive Leckerlis.
Und ich erstelle ein strukturiertes, nachhaltiges Diätmanagement, das Muskelmasse erhält und realistisch umsetzbar ist.
Nicht nach Gefühl.
Nicht nach Herstellerangabe.
Sondern mit Zahlen, Erfahrung und Plan.
Wenn du Verantwortung übernehmen willst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt.


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